Saroos + Halma live im Molotow Hamburg

Datum der Veranstaltung: 21. November 2015 | Add to Flipboard Magazine.

Foto: Presse Saroos(CIS-intern) – Saroos: Klack-klack – klack-klack – klack-klack: Der Beat des Zugfahrens vor Erfindung der Luftfederung war kein Jazz. Aber kombiniert mit dem Landschaftsfilm vor dem Fenster hatte sein gleichförmiger Doppelschlag Folgen: Gedanken schweiften ab, Fantasie machte sich ans Werk – Film ab! Nachzuhören ist dieses Prinzip auf dem dritten Saroos Album. Mehrmals sind die drei über Berlin und München verteilten Bandmitglieder mit dem Zug durch Italien getourt.

Foto: Presse Saroos

Das hat ihnen sehr gut gefallen, sagen sie. Langsamer reist es sich so, quasi untertourig touren, und mit genug klack-klack, um es im Kopf klick machen zu lassen. Mal eiert deshalb in den Stücken Jungle-Elektro-Exotica in elliptischen Kreisen durchs Soundunterholz („Willow“). Mal stimmt das Nebelhorn einen Savage-Dub an („Seadance“), als würde King Tubby nach einem Achtblättrigen durchs analoge Nirwana zirkulieren. Dabei ist das Album nicht nur organischer geworden, sondern auch geselliger. Mehr Mensch, weniger Maschine. Wenn Gäste ins Studio kamen, blieben die Sampler aus.

Natürlich hinterlässt das Spuren. Nicht alle so groß wie die von Fensters Tadklimp, der gleich einen ganzen Sack voll Sounds beisteuerte und seine Finger am Mischpult hatte. Aber in der Summe unüberhörbar: Saroos ist Jam.

Halma sind eine Institution. Und haben eine neue Platte: GRANULAR. Tortoise, als Referenzband für instrumentale Musik meist schnell bei der Hand, fährt bei HALMA nur auf dem Nebengleis, kaum in Sicht- und Hörweite, auch von Monoland ist man eher entfernt, und das Offshore-Album der Early Day Miners fällt einem zwar ein, eine nahe Verwandtschaft zu vermuten, erscheint aber ebenso abwegig.

Ja, eventuell blinzeln die Swans herüber. Und manchmal erinnert die Bass- Schlagzeugarbeit an Can. Da wird auf Ton gestanden, die Noten als Granit-Möbel verschoben, schwer und klumpig, als auch leicht und sirrend wird auf dem Verschiebebahnhof taktiert. Besenrein fegt das Raschel-Schlagzeug den Grund für ein Tiefes Weiß sauber und legt die Geometrie des ersten Tracks Deep White dar, darin Haltepunkte setzend, die die warme Mathematik dieses Stücks freisetzen können. Hier werden Bilder von innen ausgelotet, ja, das ist moderne Landschaftsmusik, allerdings nicht unbedingt von dieser Welt. Wer Urlaub im Kopf machen will, der reist hier richtig.

Samstag, 21.11.2015
Molotow / Karatekeller

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