Programm Literaturhaus im September in Hamburg

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(CIS-intern) – Wir starten in den Monat mit herausragenden Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Am 4. September ist Terézia Mora zu Gast mit ihrem neuen Roman „Das Ungeheuer” (Luchterhand), einem anspruchsvollen Werk, das ihren Protagonisten Darius Kopp aus „Der einzige Mann auf dem Kontinent” von 2009 zurück auf die Literaturbühne holt. Nach dem Suizid seiner Freundin macht sich Kopp auf eine abenteuerliche Reise durch Osteuropa, mit der Asche der Verstorbenen im Gepäck. Der Literaturkritiker Hubert Spiegel wird im Gespräch mit der Autorin den Roman vorstellen. Einen Abend später, am 15. September, geht die literarische Reise nach Samarkand, Ort der Seidenstraße und der Sehnsüchte. Mehr als 20 Jahre hat Matthias Politycki an seinem großen Roman „Samarkand Samarkand“ (Hoffmann und Campe) gearbeitet, der Abenteuerroman, Untergangsroman und Liebesroman zugleich ist. Christof Siemes moderiert den Abend mit Matthias Politycki.

Friedrich Christian Delius kehrt in seiner neuen Erzählung „Die linke Hand des Papstes” (Rowohlt Berlin) zurück in seine Geburts- und z. T. Heimatstadt Rom. Ein deutscher Archäologe trifft in einer evangelischen Kirche auf den Papst. Dessen Hände faszinieren ihn und werden zum Ausgangspunkt für eine sprachmächtige Mediation über das rätselhafte, herrliche, abgründige Rom und seine Geschichte. Am 10. September liest Friedrich Christian Delius aus seiner Erzählung, Thomas Geiger moderiert. Zum ersten Mal ins Literaturhaus kommt am 24. September der französische Schriftsteller Hervé Le Tellier. Er stellt seinen Roman „Neun Tage in Lissabon” (dtv) vor, der elegant und spielerisch von Liebeswirren und dem Ringen zweier Männer um dieselbe Frau erzählt. Schauplatz des feinsinnige Romans ist die Stadt am Tejo, Zeit sind die achtziger Jahre. Jürgen Ritte, Literaturwissenschaftler an der Sorbonne, der den Roman gemeinsam mit seiner Frau Romy übersetzt hat, wird den Abend moderieren. Aus der Übersetzung liest Stephan Benson.

Das nimmermüde Gemischte Doppel, Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz, hat den Sommer über nicht etwa dem Müßiggang gefrönt, sondern Neuerscheinung um Neuerscheinung gesichtet, so dass sie am 11. September wohl präpariert sind, Ihnen die besten Bücher aus den Herbstprogrammen der Verlage zu präsentieren. Im Philosophischen Café ist am 23. September Deutschlands jüngster Philosophie-Professor zu Gast, Markus Gabriel (*1980). Er lehrt an der Universität Bonn. „Die Landung oder: Warum es die Welt nicht gibt” heißt das Thema, über das er mit Gastgeber Reinhard Kahl und dem Publikum diskutieren möchte. Der renommierte Ben Witter Preis geht in diesem Jahr an die Autorin Susanne Fischer, die durch ihre Feuilletonsammlungen bekannt wurde und sich auch als Herausgeberin der Werke Arno Schmidts einen Namen gemacht hat. Der Preis wird am 2. September vergeben.

Rüdiger Safranski hat sich nach seinen preisgekrönten Biografie u. a. über Schiller, E.T.A. Hoffmann und Schopenhauer mit dem letzten Universalgelehrten beschäftigt und ist der Einladung des Literaturhauses und NDR Kultur gefolgt, um seine faktenreiche Biografie „Goethe – Kunstwerk des Lebens” (Hanser) am 30. September im Rolf-Liebermann-Studio vorzustellen. Ulrich Kühn von NDR Kultur spricht mit Rüdiger Safranski darüber, wie sich Goethe zu Goethe gemacht hat.

„Schiff ahoi” heißt es auch in diesem Jahr wieder beim Harbour Front Literaturfestival (12. bis 21. September), wenn wir Ihnen in Kooperation mit dem Festival zwei weitere aufregende deutschsprachige Chronisten der Gegenwart auf der Cap San Diego präsentieren. Da wäre am 17. September Clemens Meyer, der 7 Jahre nach seinem großartigen Roman „Als wir träumten” mit „Im Stein” (S. Fischer) nachlegt, einem Buch, das ebenso intensiv wie verstörend ist, weil sich sein Autor so bedingungslos auf die Seite der Verlierer schlägt und ihnen aufs Maul schaut, wie es wohl kein deutschsprachiger Schriftsteller derzeit kann und will. Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist Mirko Bonné, der am 19. September mit seinem neuen Roman „Nie mehr Nacht” (Schöffling) die Cap San Diego entert. Das Buch führt uns in ein verlassenes Hotel in der Normandie. Bonné verwebt das Leben seines Helden, des Sinnsuchers Markus Lee, kunstvoll mit den Schicksalen der alliierten Soldaten, die die Brücken, die Markus für ein Kunstmagazin zeichnen soll, 1944 erbittert verteidigten. Markus’ einwöchiger Aufenthalt wird zu einer mehrmonatigen Auszeit und zum Wendepunkt. Mirko Bonné stellt den Roman im Gespräch mit dem Literaturkritiker Tilman Krause vor.

Im Jungen Literaturhaus (http://www.julit-hamburg.de) freuen wir uns auf ein Wiederhören mit Krabat, dem kleinen Gespenst, Petrosilius Zwackelmann und all den anderen Geschöpfen des im Februar verstorbenen Otfried Preußler. Am 9. September werden sie durchs Literaturhaus geistern, vorgestellt von FAZ-Redakteur Tilman Spreckelsen und vorgelesen von „the voice” Christian Brückner. Spannend und auch ein wenig gruselig wird es am 16. September im STA*-Club, wenn Alexa Hennig von Lange ihren Thriller „Der Atem der Angst” (cbt) vorstellt. Darin geht es um das verschlafene Städtchen St. Golden, in dem kurz vor Halloween auf mysteriöse Weise Mädchen verschwinden. Gut, dass die Lesung am Vormittag statt findet, dann traut man sich hernach wenigstens noch auf die Straße … Sehr viel lustiger geht es bei Spaß mit Büchern am 18. September zu, wenn sich der tollkühnste Cowboy diesseits des Atlantiks mit Toni Tornado, einem frechen Äffchen mit Strohhut, herumplagen muss. Karsten Teich bringt mit Cowboy Klaus singend, musizierend und lesend einen Hauch des Wilden Westen ins Literaturhaus. Die Gedankenflieger wiederum beschäftigen sich am 26. September mit einer wichtigen und schwierigen Frage: „Wer bin ich?” steht im Mittelpunkt des Nachmittags am 26. September mit Kristina Calvert im Ohnsorg Theater.

Kommen Sie doch wieder einmal vorbei am Schwanenwik, möglicherweise sogar an Abenden, an denen keine Lesung angesetzt ist, und überzeugen Sie sich vom frischen Wind, der durch das historische Gemäuer weht. Wir freuen uns auf Sie!

Die Karten für September sind ab 15. August an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in der Buchhandlung Samtleben, über unsere Website http://www.literaturhaus-hamburg.de, bei der Literaturhaus-Karten-Hotline 0180-50 15 729 sowie an der Abendkasse erhältlich. Mitglieder des Literaturhaus e.V. können ihre Tickets bereits AB HEUTE (9. August) kaufen oder unter Telefon 040–22 70 20 11 buchen und an der Abendkasse abholen.

http://www.literaturhaus-hamburg.de/

programm im september 2013
ben witter preis
literaturhaus, montag, 2. september, 19.30 uhr, eintritt frei
Susanne Fischer wird ausgezeichnet
terézia mora
literaturhaus, mittwoch, 4. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Terézia Mora stellt ihren neuen Roman „Das Ungeheuer“ vor
Hubert Spiegel moderiert
matthias politycki
literaturhaus, donnerstag, 5. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Matthias Politycki stellt seinen neuen Roman „Samarkand Samarkand“ vor
Christof Siemes moderiert
otfried-preußler-abend
literaturhaus, montag, 9. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Tilman Spreckelsen stellt Leben und Werk des im Februar verstorbenen Schriftstellers Otfried Preußler vor, Christian Brückner liest ausgewählte Texte
friedrich christian delius
literaturhaus, dienstag, 10. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Friedrich Christian Delius liest aus seiner Erzählung „Die linke Hand des Papstes“
Thomas Geiger moderiert
gemischtes doppel
literaturhaus, mittwoch, 11. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz stellen Neuerscheinungen vor
sta*-club: alexa hennig von lange
literaturhaus, montag, 16. september, 10.00 uhr, eintritt frei
Alexa Hennig von Lange liest aus ihrem Thriller „Der Atem der Angst“
harbour front literaturfestival: clemens meyer
cap san diego (überseebrücke), dienstag, 17. september, 21.00 uhr, euro 13,-/11,-
Clemens Meyer liest aus seinem neuen Roman „Im Stein“
Antje Flemming moderiert
spaß mit büchern
literaturhaus, mittwoch, 18. september, 10.00/12.00/15.00 uhr, eintritt frei
Karsten Teich präsentiert den brandneuen Band „Cowboy Klaus und Toni Tornado“
harbour front literaturfestival: mirko bonné
cap san diego (überseebrücke), donnerstag, 19. september, 21.00 uhr, euro 13,-/11,-
Mirko Bonné liest aus seinem neuen Roman „Nie mehr Nacht“
Tilman Krause moderiert
philosophisches café: markus gabriel
literaturhaus, mittwoch, 23. september, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Thema: Die Landung oder: Warum es die Welt nicht gibt
Gast: Markus Gabriel, Reinhard Kahl moderiert
hervé le tellier
literaturhaus, dienstag, 24. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Hervé Le Tellier liest aus „Neun Tage in Lissabon“
Jürgen Ritte moderiert, Stephan Benson liest den deutschen Text
gedankenflieger – philosophieren mit kindern
ohnsorg theater (heidi-kabel-platz 1), donnerstag, 26. september, 14.30 uhr, euro 5,-/4,-
Blöde Kuh, schlauer Fuchs und falsche Schlange: Wer bin ich und wie kann ich mich verändern?
rüdiger safranski
rolf-liebermann-studio (oberstr. 120), montag, 30. september, 19.30 uhr, euro 16,-/12,-/10,-/8,-
Rüdiger Safranski stellt sein Buch „Goethe – Kunstwerk des Lebens“ vor
Ulrich Kühn moderiert
***
ben witter preis
Susanne Fischer wird ausgezeichnet
Der renommierte Ben Witter Preis geht in diesem Jahr an die Hamburger Autorin Susanne Fischer. Die Jury der Ben Witter Stiftung (Aloys Behler, Benedikt Erenz, Joachim Kersten, Theo Sommer) ehrt damit eine leidenschaftliche Menschenbeobachterin und Alltagschronistin, die in ihren Geschichten und Kolumnen das Leben in der deutschen Provinz von Uelzen bis Berlin ebenso heiter wie böse beschreibt.
Fischer, geboren 1960 in Hamburg, wurde bekannt durch Kolumnen in der taz. Ihre Feuilletonsammlungen und Bände mit erzählender Prosa sind seit Mitte der neunziger Jahre u. a. im Tiamat Verlag, bei Suhrkamp und S. Fischer erschienen. In ihnen spürt sie den bitteren Freuden und süßen Traurigkeiten, den eingebildeten Zumutungen und manifesten Peinlichkeiten der deutschen Mittelstandsexistenz nach – eine Sittenschilderin mit stets wacher Freude am Homo Bundesrepublicanus. Fischer hat sich auch als Editorin der Werke Arno Schmidts und der Tagebücher seiner Frau Alice einen Namen gemacht und schreibt auch für Kinder.
literaturhaus, montag, 2. september, 19.30 uhr, eintritt frei
terézia mora
stellt ihren neuen Roman „Das Ungeheuer“ vor
Hubert Spiegel moderiert
Darius Kopp, Hauptfigur in Terézia Moras viel gerühmtem Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent” (2009), meldet sich zurück. Mit dem unter Asthma und Übergewicht leidenden Mittvierziger Kopp hatte Mora damals eine hoch originelle Figur geschaffen, die binnen kürzester Zeit alle privaten und beruflichen Sicherheiten verlor: In einer September-Woche des Jahres 2008 verließ ihn seine wie die Autorin aus Ungarn stammende Gefährtin Flora, und sein lukrativer, wenngleich rätselhafter Job bei der US-Firma Fidelis Wireless schien sich in Luft aufzulösen. Genau dort knüpft Terézia Moras neuer Roman „Das Ungeheuer” (Luchterhand) an. Kopps Leben ist inzwischen gänzlich aus den Fugen geraten: Flora hat sich im Wald erhängt; der verzweifelte Darius ist arbeits- und mittellos, verschanzt sich monatelang zwischen Kaffeepulverdosen und Pizzaschachteln in seiner Wohnung und erwacht erst zu neuem Leben, als er sich aufmacht, Floras Wunsch zu erfüllen und ihre Asche zu verstreuen. Von diesem Vorhaben beseelt, reist er quer durch Osteuropa: Ungarn, Albanien, Georgien, die Türkei und Griechenland sind Stationen seines abenteuerlichen Trips.
Anders als im vorangegangenen Roman belässt es Mora jedoch nicht dabei, die Geschichte ihres in die Krise geratenen Helden vergleichsweise linear auszubreiten. „Das Ungeheuer” ist ambitionierter und verlangt von seinen Lesern einen Kraftakt: Rund zwei Drittel der knapp 700 Seiten sind zweigeteilt und geben in der unteren Hälfte Dateien wieder, die Darius auf Floras Laptop gefunden hat: Diese versammeln, kunterbunt gemischt, unterschiedlichste Texte Floras: Gedichte, Kindheitsszenen, Erinnerungen an erniedrigende männliche Übergriffe, Übersetzungsproben aus Floras Werkstatt, Befindlichkeitsprotokolle, ärztliche Ratschläge und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit jener Krankheit, an der Flora wohl zugrunde ging: der Depression. Eine Herausforderung, ein provokanter Roman wie es in diesem Herbst kaum einen zweiten gibt, ein formales Experiment, dessen Risiko sich auszahlt.
Eine Veranstaltung von NDR Kultur & Literaturhaus
literaturhaus, mittwoch, 4. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
matthias politycki
stellt seinen neuen Roman „Samarkand Samarkand“ vor
Christof Siemes moderiert
„Alle Geschichten kommen aus Samarkand.”
Matthias Politycki zählt seit vielen Jahren zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren. Sein Werk, das 1987 einsetzte, umfasst Essays, Lyrik, Erzählungen (darunter die auch im Ausland viel beachtete und mit dem Preis der LiteraTour Nord ausgezeichnete „Jenseitsnovelle”) und Romane wie den „Weiberroman”, „In 180 Tagen um die Welt” oder „Herr der Hörner”. An seinem neuen großen Roman „Samarkand Samarkand” (Hoffmann und Campe) hat Matthias Politycki über zwanzig Jahre lang gearbeitet – nun liegt er vor und feiert im Literaturhaus seine Premiere.
Die Welt ist aus den Fugen geraten, und wo einst die Seidenstraße entlang führte, ist 2026 das Epizentrum der Erschütterung. Alexander Kaufner, Gebirgsjäger und Grenzgänger, reist in das sagenumwobene Samarkand und begibt sich auf die Suche nach einer geheimnisvollen Kultstätte. Doch können Sieg oder Niederlage, Krieg oder Frieden tatsächlich von einem Haufen heiliger Knochen abhängen? Zusammen mit seinem Bergführer Odina, der ihm durch einen Schwur verpflichtet ist, und beschützt durch das wunderliche Mädchen Shochi, das die Zukunft träumen kann, durchstreift Kaufner die gewaltige Bergwelt Zentralasiens. Und gerät dabei zusehends in einen Wettlauf auf Leben und Tod, nicht zuletzt mit sich selbst.
Dieses bildmächtige Epos ist Abenteuerroman, Liebesroman und Untergangsroman zugleich, es erzählt von der Konfrontation mit der Fremde, in der die großen existenziellen Fragen neu gestellt werden.
literaturhaus, donnerstag, 5. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
ein otfried-preußler-abend
Tilman Spreckelsen stellt Leben und Werk des im Februar verstorbenen Schriftstellers Otfried Preußler vor, Christian Brückner liest ausgewählte Texte
„Der Räuber Hotzenplotz”, „Das kleine Gespenst”, „Krabat” – der im Februar verstorbene Kinderbuchautor Otfried Preußler gehörte zu den beliebtesten und weltweit erfolgreichsten deutschen Schriftstellern. Seine wichtigsten Werke, verfasst in den 1950er- bis 1970er Jahren, werden von Generation zu Generation bis heute weitergegeben und neu entdeckt. Und wer im Ausland in einer Buchhandlung deutsche Literatur in Übersetzung findet, hat es oft genug mit einem Kinderbuch von Preußler zu tun. Was macht ihren Zauber aus? Warum fliegen wir so gern mit der kleinen Hexe zum Blocksberg, kämpfen mit dem starken Wanja gegen die Babajaga oder fliehen mit Kasperl vor dem Zauberer Petrosilius Zwackelmann?
Christian Brückner und Tilman Spreckelsen versuchen das zu ergründen: Brückner, indem er Preußler seine Stimme leiht und die Magie dieser hochgradig akustisch strukturierten Sätze hörbar macht, und Spreckelsen, indem er in kurzen Zwischentexten in Leben und Werk des 1923 geborenen Preußler einführt. Denn Preußlers Romane und Geschichten, allen voran seine Bearbeitungen böhmischer Sagenmotive, sind kaum zu verstehen ohne den biografischen Hintergrund des Autors, der im Zweiten Weltkrieg Soldat werden musste und erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.
„Krabat”, sein Meisterwerk, erzählt davon, wie es ist, einem Zauber zu erliegen und sich daraus wieder zu befreien. Um Magie soll es an diesem Abend gehen, schließlich ist Preußlers Werk voll davon. Und davon, warum jeder Zauber einmal ein Ende findet.
literaturhaus, montag, 9. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
friedrich christian delius
liest aus seiner Erzählung „Die linke Hand des Papstes“
Thomas Geiger moderiert
Der erste Sonntag im März 2011, in einer protestantischen Kirche an der Via Sicilia in Rom. Nur wenige Meter trennen den Betrachter, einen deutschen Archäologen und Fremdenführer, von seinem Studienobjekt: den Händen des Papstes. Denn es ist nicht der höchst ungewöhnliche Ort dieser zufälligen Begegnung, der den Betrachter zum Nachdenken provoziert, es sind die päpstlichen Hände. Was tun diese Hände, wenn sie nichts tun? Wären sie noch zu einer Ohrfeige für den regierenden „Fernsehdespoten” und „Mafiafreund” fähig? Losgelöst von der realen Zeit erlebt der Fremdenführer einen rasanten Gedankenritt durch die Geschichte und Gegenwart Roms und der katholischen Kirche: „Nach der ersten Befangenheit, ausgelöst durch den Mann mit dem weltbekannten Gesicht, gefiel es mir immer besser, einfach sitzen zu können, die simultane Schau auszukosten und all diese farbigen Mosaiksteine durch die Nervenzellen des Gedächtnisses wirbeln zu lassen, zu mischen, zu wenden und neu zusammenzustellen.” Da sind die achtzig numidischen Zuchthengste, mit denen Augustinus von Hippo den Kaiser bestach, um die Erbsünde durchzusetzen, da ist der libysche Diktator Gaddafi, der Berlusconi mit dreißig Berberpferden schmeichelte, und da sind die Nazis, angeführt vom immer noch durch die Gassen Roms spukenden Herbert Kappler. Als der Fremdenführer seine Aufmerksamkeit erneut auf die päpstlichen Hände richtet, scheint dieser unter seinen Augen zum Lutheraner zu werden.
Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in der ewigen Stadt, lebt heute in Berlin und Rom, dessen Faszinationen, Geheimnissen und Abgründen er in seiner neuen Erzählung nachspürt – sprachgewaltig und einnehmend. Delius zählt zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart, seine Bücher wurden in 18 Sprachen übersetzt. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin. Für seine Romane und Erzählungen wurde er vielfach ausgezeichnet, 2011 mit dem Georg-Büchner-Preis.
Mit freundlicher Unterstützung der Katholischen Akademie
literaturhaus, dienstag, 10. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
gemischtes doppel
Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz stellen Neuerscheinungen vor
Gewiss, es gibt das eine oder andere Medienformat, das auf eine etwas längere Tradition als das „Gemischte Doppel” im Literaturhaus verweisen kann. Die „Sportschau” zum Beispiel und die „Lindenstraße” mit ihren knapp 1.450 Folgen. Doch auch das „Gemischte Doppel” geht inzwischen zum fünfunddreißigsten Mal an den Start und spielt sich die Bälle zu, mal als harter Volley, mal mit unnachahmlichem Effet geschlagen. Wie einst die Wimbledon-Mixed-Sieger Helena Suková und Cyril Suk brillieren Annemarie Stoltenberg, Redakteurin des NDR, und Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, mit aggressivem, tollkühnem Stil, gehen unerschrocken ans Netz und bieten ihren Zuschauern Literaturtennis der feinsten Art.
Etwas konkreter gesprochen haben diese beiden Fleißigen den heißen Sommer nicht mit unnötigen Aktivitäten verbracht, sind auf kein Mountainbike gestiegen und auch nicht der Versuchung des Tiefseetauchens erlegen. Stattdessen trotzten sie der Hitze, saßen am Schreibtisch und streckten sich – immer mit einem Buch (und vielleicht einem Apérol Sprizz) in der Hand – allenfalls auf einer hart gepolsterten Liege aus. So lasen und lasen und lasen sie, was der reichhaltige Herbst 2013 zu bieten hat, und unbestechlich wie eh und je prüften sie, wogen ab und wählten aus, was sie den Besuchern des Literaturhaus besten Gewissens ans Herz legen können. 16-mal wurden sie fündig; 16 Neuerscheinungen, Belletristik und Sachbuch gemischt, werden sie Ihnen in flammender Rede präsentieren. Und um für noch mehr Kompetenz zu sorgen und die Angelegenheit noch schöner zu machen: Auch Buchhändler Stephan Samtleben zieht eine Empfehlung für Sie aus dem Hut. Und seien Sie sicher: Auch dieser Mann beherrscht das Serve-and-Volley-Spiel perfekt!
Es besteht die Möglichkeit, die vorgestellten Bücher an diesem Abend am Büchertisch der Buchhandlung Samtleben zu erwerben.
Kulturpartner NDR Kultur
literaturhaus, mittwoch, 11. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
sta*-club: alexa hennig von lange
Alexa Hennig von Lange liest aus ihrem Thriller „Der Atem der Angst“
Kurz vor Halloween verschwindet die neunjährige Leonie spurlos. Im verschlafenen Städtchen St. Golden herrscht blankes Entsetzen. Vor sieben Jahren ist hier schon einmal ein Mädchen in Leonies Alter exakt auf diese Weise verschwunden: Mitten in der Turnstunde kehrte sie nicht mehr von der Toilette zurück. Fünf Tage später wurde sie tot am Fuß eines Hochsitzes im Wald geborgen. Der Täter wurde nie gefasst. Seitdem hängt das Verbrechen wie ein Alb über der Stadt und besonders über der Familie des verstorbenen Mädchens. Nun scheint sich die Geschichte dramatisch zu wiederholen … Schlimmer noch: Auch Leonies Schwester Michelle verschwindet. Verzweifelt begibt sich Louis auf die Suche und begegnet in den weiten Waldgebieten Maya, einem seltsam verwilderten Mädchen, das mehr über den Täter zu wissen scheint.
Die preisgekrönte Berliner Autorin Alexa Hennig von Lange hat mit „Atem der Angst” (cbt) einen packenden Thriller für Jugendliche geschrieben, durch den der Atem der Angst weht. „Meisterhaft erzählt, atemlos spannend – ein Psychothriller, den man nicht mehr vergisst” (Buch-Magazin). Hennig von Lange wurde 1997 mit ihrem Debütroman „Relax” über Nacht berühmt und als Pop-Literatin gefeiert. Für ihren Roman „Ich habe einfach Glück” hat sie 2002 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten. Alexa Hennig von Lange hat zahlreiche Bücher für Kinder und Erwachsene veröffentlicht, schreibt auch Theaterstücke und ist als Journalistin tätig. Mit ihrem Mann und drei Kindern lebt sie in Berlin.
Für Schüler ab 14 Jahren. Anmeldungen per E-Mail an service@literaturhaus-hamburg.de oder unter Telefon 040 – 22 70 20 14. Achtung: Der STA*-Club findet zum ersten Mal als Vormittagslesung für Schulklassen statt!
Mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Literaturstiftung
literaturhaus, montag, 16. september, 10.00 uhr, eintritt frei
harbour front literaturfestival: clemens meyer
Clemens Meyer liest aus seinem neuen Roman „Im Stein“
Antje Flemming moderiert
„Du liegst auf der Straße. Und dabei hast du gedacht, die neunziger Jahre sind vorbei.”
Sagen wir, wir befinden uns in einer ziemlich großen Stadt in der mitteldeutschen Tiefebene. Zu DDR-Zeiten gab es geheime Pläne, sie abzubaggern, ruht sie doch auf Braunkohleflözen, die das marode Ländchen so bitter nötig hatte. Nach der Wende kamen die Investoren, manche seriös, viele windig, und die Stadt nahm einen erstaunlichen Aufschwung: Messestandort, mit Seenlandschaften, dort wo einst die Tagebaue grollten, und einer beneidenswert aktiven Kunstszene. Doch all die Meriten dieser Stadt, die blankpolierten Gründerzeitfassaden, die angenehm überraschten Touristen aus Westdeutschland und anderswo, die sind dem Schriftsteller Clemens Meyer keinen Heller wert. Ihn interessieren die Dunkelheit, das Raue, Obsessive, die Zwischenwelten und die Gestalten der Nacht, wie sie tanzen, straucheln und wieder aufstehen. Und manchmal liegen bleiben.
„Im Stein” (S. Fischer) heißt sein neuer Roman, für den sich jeder einzelne Tag des Wartens (immerhin um die 2555 seit „Als wir träumten”) gelohnt hat. Das 558 Seiten starke Buch ist ein großer Wurf, weil sich in ihm Empathie, scharfe Beobachtungsgabe, die Fähigkeit zur Innensicht und der bis in Nuancen stimmige Ton zu großer Literatur vereinen. In fortwährend inneren Monologen mäandern die Gedanken von Meyers Protagonistenteam durch die Nacht: Babsi, die Hure aus Jena-Paradies, der versoffene Jockey, der seine Tochter sucht, die schon mit 14 an der Nadel hing, AK 47, der angeschossen auf irgendeinem Parkplatz verreckt. Sie alle bevölkern diese Stadt bei Nacht, und doch hat man das Gefühl, dass sie nur die Vorhölle erleben, während das wahre Grauen abgeht, wenn die Sonne scheint: „Du kannst einen Kampf nur gewinnen, indem du ihn vermeidest.”
In der Literatur des 1977 in Halle geborenen Clemens Meyer steckt eine brachiale Kraft, eine Härte, die Aufrichtigkeit atmet, und ein tiefes Verständnis für die am Rande Stehenden. Ja, man möchte fast von einer Botschaft sprechen, wüsste man nicht, dass Clemens Meyer darüber ziemlich spöttisch grinsen würde.
cap san diego (überseebrücke), dienstag, 17.9., 21.00 uhr, euro 13,-/11,-
spaß mit büchern
Karsten Teich präsentiert den brandneuen Band „Cowboy Klaus und Toni Tornado“
Cowboy Klaus traut seinen Augen nicht: Nach einem kräftigen Wirbelsturm sitzt der kleine Affe Toni Tornado mit Strohhut vor der Farm. Toni Tornado hat es faustdick hinter den Ohren und ärgert Cowboy Klaus von morgens bis abends. Doch Lisa und Rosi finden den Affen süß und kümmern sich nur noch um ihn. Kein Wunder, dass Cowboy Klaus eifersüchtig ist!
Der Berliner Autor und Illustrator Karsten Teich liest, erzählt, zeichnet, spielt Gitarre und rückt den nettesten Kuhjungen der Kinderliteratur ins Rampenlicht, denn „Cowboy Klaus ist Kult!” (taz).
WICHTIG: Für die Vormittagslesungen um 10.00 und 12.00 Uhr ist eine Anmeldung erforderlich! Schulklassen und Gruppen melden sich  beim Kulturring der Jugend/JIZ unter Tel. 428 23-4801/-4827 (Mo – Do 12.30-17.00 Uhr, Fr 12.30 -16.30 Uhr) an.
Für Kinder ab 5 Jahren
literaturhaus, mittwoch, 18. september, 10.00/12.00/15.00 uhr, eintritt frei
harbour front literaturfestival: mirko bonné
Mirko Bonné liest aus seinem neuen Roman „Nie mehr Nacht“
Tilman Krause moderiert
Ein verlassenes Hotel in der Normandie, das L’Angleterre, wo in den oberen Zimmern die Möwen nisten und der Blick auf das raue Meer nicht weiter sein könnte, hier verbringen Markus Lee und sein Neffe Jesse gemeinsam die Herbstferien – zufällig. Denn Markus Lee erhält den Auftrag, für ein Hamburger Kunstmagazin Brücken zu zeichnen, die bei der Landung der Alliierten im Sommer 1944 eine entscheidende Rolle spielten, während sein fünfzehnjähriger Neffe unbedingt zu seinem besten Freund fahren möchte, der mit seiner Familie über die Ferien das verlassene Strandhotel hütet. Der Zufall aber ist die Sprache der Welt, davon war jedenfalls Jesses Mutter Ira überzeugt, deren Suizid weder Bruder noch Sohn überwunden haben. Für Markus Lee wird der geplante einwöchige Aufenthalt zu einer monatelangen Auszeit, in der er sich endlich der Vergangenheit stellen muss: „Es war eine dreiunddreißig Jahre alte, seit dreiunddreißig Jahren Tag für Tag neu verschüttete Geschichte. Niemand außer uns kannte sie, und seit Iras Tod war ich der Einzige.”
Geschickt flicht Mirko Bonné die Schicksale zahlreicher junger Soldaten, die 1944 erbittert um die Brücken rund um Caen und Bayeux kämpften, und die Lebensbefragung und Sinnsuche von Markus Lee zu einem ergreifenden Roman um Liebe und Trauer, Verdrängen und Erinnern. Mit seiner klaren wie poetischen Sprache fängt er dabei den Raum zwischen Scheitern und Neubeginn ein.
Mirko Bonné, 1965 in Tegernsee geboren, lebt seit 1975 in Hamburg. Er veröffentlichte bisher fünf Gedichtbände und vier Romane, außerdem zahlreiche Übersetzungen u. a. von E. E. Cummings, Emily Dickinson und John Keats. 2009 war er mit dem hochgelobten Roman „Wie wir verschwinden” (Schöffling) für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für sein erzählerisches, lyrisches und essayistisches Werk wurde er 2010 mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis ausgezeichnet.
cap san diego (überseebrücke), donnerstag, 19.9., 21.00 uhr, euro 13,-/11,-
philosophisches café: markus gabriel
Thema: Die Landung oder: Warum es die Welt nicht gibt
Gast: Markus Gabriel, Reinhard Kahl moderiert
„Es gibt viele kleine Welten, aber nicht die eine Welt, zu der sie alle gehören. Dieses bedeutet gerade nicht, dass die vielen kleinen Welten nur Perspektiven auf die eine Welt sind, sondern dass es eben nur die vielen kleinen Welten gibt. Es gibt sie wirklich. Nicht nur in meiner Einbildung.”
Die These, dass es die Welt nicht gibt, ist provozierend und sie irritiert. Das soll sie auch. So beginnt Philosophie. „Die Aufgabe der Philosophie ist es, immer wieder von vorne anzufangen, und das jedes Mal”, schreibt Markus Gabriel und ist damit schon mitten in seinem Neuanfang einer Philosophie, die er „neuen Realismus” nennt. Philosophen haben bisher mit Vorliebe aufs Ganze geschaut. Sie haben nach dem Band gesucht, das alles zusammenhält. Sie wollten die eine Grundsubstanz finden. Die Stafette des Weltformelsuchers mussten sie an die Physiker abgegeben und fanden sich ins zweite Glied verbannt. Dort haben sich viele als Archivare niedergelassen. Und nun kommt Markus Gabriel wie Jung-Siegfried. Ihm fehlt es nicht an Mut und Selbstbewusstsein. Er sagt: Stopp, es ist anders. Entdeckt die „Sinnfelder”! Diese sind unseren Alltagserfahrungen, nahe und gar nicht so kompliziert, wie bisher gedacht. Seine These: „Die Welt” ist nicht der große Container, der alles enthält. Diesen gibt es nicht. Deshalb können wir uns vom Satellitenblick aufs vermeintlich Ganze verabschieden. Nicht mehr wie bei einer Art Google-Univers immer weiter zurückzoomen und uns dabei in einen Sandkorn der Universumswüste verbannen. Also die Welt nicht mehr in großen Abständen umkreisen! Landen! Dann entdeckt Markus Gabriel, wo bisher Wüsten vermutet wurden, einen Dschungel von Welten.
Markus Gabriel wurde mit 25 Jahren promoviert. Mit 28 habilitierte er sich. Mit 29 war er jüngster Philosophieprofessor in Deutschland. Er lehrt in Bonn und leitet dort auch das Internationale Zentrum für Philosophie. Sein gut verständliches Buch „Warum es die Welt nicht gibt” ist bei Ullstein erschienen und seine Einführung in die Erkenntnistheorie „Die Erkenntnis der Welt” im Verlag Karl Alber. „Letztlich findet alles in einem großen Nirgendwo statt.”
literaturhaus, mittwoch, 23. september, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
hervé le tellier
liest aus „Neun Tage in Lissabon“
Jürgen Ritte moderiert, Stephan Benson liest den deutschen Text
„Alle schlechten Romane ähneln sich, aber jeder gute Roman ist auf seine Art gelungen.”
So bringt der Autor es selbst im Epilog auf den Punkt und in diesem Sinne sei Ihnen der neue und sehr gelungene Roman „Neun Tage in Lissabon” (im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen) von Hervé Le Tellier ans Herz gelegt. Vor zwei Jahren landete der Pariser Autor mit „Kein Wort mehr über Liebe” einen Überraschungserfolg in der deutschen Literaturlandschaft. Auch in seinem Nachfolgewerk geht es um die Liebe, wie man sie sucht, sie findet, vor allem aber an ihr scheitert. Die Geschichte spielt im Lissabon der achtziger Jahre. Vincent Balmer, ein französischer Journalist, und der Fotograf António Flores sollen gemeinsam über den Prozess gegen einen Serienmörder berichten. Neun Tage verbringen die Männer miteinander, und es entspinnt sich ein verwirrendes Geflecht von Liebeleien, denn beide Männer haben sich wegen derselben Frau auf den Weg von Paris in die portugiesische Metropole gemacht. Der eine, weil diese ihn verschmähte, und der andere, weil sie ihm zu nahe kam. António erhält jedoch unerwartet Besuch von Vincents „Ex”, der sich wiederum darum bemüht, Antónios Jugendliebe Pata ausfindig zu machen, und dabei auf die rätselhafte Schauspielerin Manuela trifft. Le Tellier ist ein kluger Erzähler mit großem Feingefühl für die Unvollkommenheit seiner Helden. Unangestrengt, elegant und spielerisch erzählt er und weiß, erhellende liebespsychologische Beobachtungen einzustreuen: „Wegen dieses Fotos, dieses weißen und leeren Medusenblicks, frage ich mich manchmal sogar, ob es nicht immer, wenn Paare ein Zimmer mit Aussicht reservieren, einen gibt, der den anderen beobachtet, während dieser nur die Aussicht bewundern will.”
Aus dem Französischen übersetzt wurde der Roman von Jürgen und Romy Ritte, die seit 25 Jahren in Paris leben. Der Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte lehrt als Professor an der Université de la Sorbonne und wird den Abend moderieren.
Mit freundlicher Unterstützung des Institut français de Hambourg | Medienpartner NDR Info
literaturhaus, dienstag, 24. september, 19.30 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
gedankenflieger – philosophieren mit kindern
Blöde Kuh, schlauer Fuchs und falsche Schlange: Wer bin ich und wie kann ich mich verändern?
Du bist du, und ich bin ich. Das sagt sich ganz leicht, aber woher wissen wir das überhaupt? Und könntest du auch ganz anders sein? Vielleicht hast du schon einmal versucht jemandem zu erklären, wer du bist. Auch das ist gar nicht so einfach. „Wer bin ich?” – das ist eine der spannendsten Fragen überhaupt und eine, die uns ein Leben lang begleitet. „Die Kuh Rosmarie” hat an allen Tieren etwas auszusetzen. Das Schwein ist ihr zu dreckig, zum Huhn sagt sie, Eier legen sei viel einfacher als Milch geben, und dem Goldfisch will sie das Nacktbaden ausreden.
Kristina Calvert liest aus dem gleichnamigen Theaterstück von Andri Beyeler und philosophiert mit den Kindern über Eigenschaften und Wesenszüge.
Mit freundlicher Unterstützung der PWC-Stiftung
Für Kinder ab 7 Jahren
ohnsorg theater (heidi-kabel-platz 1), donnerstag, 26. september, 14.30 uhr, euro 5,-/4,-
rüdiger safranski
stellt sein Buch „Goethe – Kunstwerk des Lebens“ vor
Ulrich Kühn moderiert
„Bester Freund, was ist das Herz des Menschen!” aus „Die Leiden des jungen Werther”
Ein junger Mann aus gutem Hause, dem Studentenleben zugetan und dauerverliebt, schreibt das Buch seiner Generation, wird viel gelesen und bewundert, bekommt eine ordentliche Stellung in einem kleinen Herzogtum, dilettiert in Naturforschungen, flüchtet nach Italien, lebt in wilder Ehe – und schreibt unvergessliche Liebesgedichte, tritt in Wettstreit mit dem Freund und Dramatiker-kollegen Friedrich Schiller, schreibt Romane und wird sich selbst historisch. Schließlich verfasst er ein Alterswerk, mit dem er alle Konventionen sprengt. Doch er wollte noch mehr: Das Leben selbst sollte zum Kunstwerk werden.
Rüdiger Safranski schildert in seiner neuen großen Biografie „Goethe – Kunstwerk des Lebens” (Hanser) eindringlich, mit Faktenreichtum und großer Genauigkeit, wie Goethe sich zu Goethe gemacht hat. Der Meister der kulturhistorischen Biografik und der ideengeschichtlichen Darstellung bilanziert: „Goethe hat seine Freiheit schöpferisch gebraucht. Er ist ein Beispiel dafür, wie weit man damit kommen kann, wenn man es als Lebensaufgabe annimmt, zu werden der man ist.” Eine dicke Schicht von Interpretation hat sich über Goethe gelegt; Safranski nähert sich dem Universalgenie aus den primären Quellen –  Werke, Briefe, Tagebücher, Gespräche, Aufzeichnungen von Zeitgenossen. So werden wir Begleiter eines Mannes, der für eine ganze Epoche Pate stand: die Goethezeit.
Rüdiger Safranski, geboren 1945, ist Philosoph und vielfach preisgekrönter, in über 20 Sprachen übersetzter Autor u. a. von großen Biographien über Schiller, E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, von Büchern über die menschlichen Grundfragen, u. a. das Böse und die Wahrheit, und zuletzt von vielgepriesenen Werken über die Romantik und die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, mit denen er auch im Literaturhaus zu Gast war.
Eine Veranstaltung von NDR Kultur & Literaturhaus
rolf-liebermann-studio (oberstr. 120), montag, 30. september, 19.30 uhr, euro 16,-/12,-/10,-/8,-