Landmarken – neue Ausstellung in der Galerie Schlüter Hamburg

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(CIS-intern) – Neueste Nachrichten aus Island; dem Land, in dem ein Mann, der von der Bank aufgefordert ist, seinen Haus- und seinen Autoschlüssel abzugeben, da beides ab sofort der Bank gehört, sich einen Schaufelbagger ausleiht, ein gewaltiges Loch gräbt, das Auto und das Haus hineinschiebt, alles wieder mit Erde bedeckt und am nächsten Tag vereinbarungsgemäß die Schlüssel bei der Bank abgibt.

Jeder benutzt Landmarken, um sich zu orientieren, und es ist egal, ob es sich dabei um Schutthügel, Bauwerke, einzeln stehende Bäume und Felsen oder um einen Tafelberg handelt.

In der Ausstellung „Landmarken“ der beiden isländischen Künstler Sirra Sigrún Sigurdardóttir und Erling TV Klingenberg kreuzen sich verschiedene Formen von Landschaftswahrnehmung. Zum einen Motorrad-Eskapismus, wie in der Werbung der Volks- und Raiffeisenbanken, wo mit Trappermentalität irgendwelche, angeblich durch die Bank freigemachten Wege behauptet werden, man kann sie aber auch einfach so benutzen. Zum anderen Diagramme des rasenden Aufstiegs und Höllensturzes der isländischen Banken, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit berühmten Bergen und Felsformationen Islands haben.

Was es bedeutet, wenn Landmarken bei der Orientierung nicht mehr helfen können, bei einem Erdbeben nämlich, zeigen die Videos „Tremors“ von Sirra Sigrún Sigurdardóttir. Zu sehen sind Personen, die auf einem Erdbeben-Simulator stehen. Alle haben bereits stärkere Beben erlebt, aber die Erschütterung ist, obwohl das Phänomen bekannt ist, ein physischer Skandal. Sirra Sigrún Sigurdardóttir parallelisiert diese Eindrücke mit dem finanziellen Kollaps der Nordmeerinsel, ihr Augenmerk gilt vor allem den sozialen Beben, welche dieser verursachte.

Auf einem dahinbrausenden Motorrad sitzend, wird man schwächere Beben nicht bemerken, weder seismische noch gesellschaftliche, zu groß ist die Schwingung und das Gebrüll der Maschine, mit der man Staubwolken in die Landschaft zeichnet, man muss annehmen, dass Erling TV Klingenberg diesen Umstand nicht billigend in Kauf nimmt, sondern ihn eben deshalb inszeniert, denn was soll einem die ganze umständlich ziselierte Konzeptkunst, wenn über Nacht der Staat zusammenbricht – und malen kann man mit einem Motorrad auch. Nämlich wie ein Hund, der begeistert mit den Pfoten Erde hinter sich kratzt, hier eben mit dem Hinterrad in der Farbe. Die Ergebnisse, die „Motor-Splash Paintings“ von Erling TV Klingenberg, sehen wiederum aus wie Schemen eines ungeheuerlichen Peaks.

(Wir danken der Firma “Heuser Motorräder” für ihre großzügige Unterstützung.)

Sirra Sigrún Sigurdardóttir, Erling TV Klingenberg
Eröffnung, Freitag 26. Oktober 2012, 17 Uhr
Ausstellungsdauer, 27. Oktober – 1. Dezember 2012

Dorothea Schlueter, Galerie
Nora Sdun, Sebastian Reuss
Nobistor 36
22767 Hamburg
Öffnungszeiten: Mi. bis Sa. 14 – 18 Uhr
www.dorotheaschlueter.com

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