IT-Gipfel – In Hamburg wurde über die digitale Zukunft diskutiert

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(CIS-intern) Von Horst Schinzel – Am Hamburger Adolphplatz herrschte an diesem Dienstag höchste Sicherheitsstufe. Rund 600 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien waren in der dort ansässigen Handelskammer zusammen gekommen. Es galt, beim ersten Nationalen IT-Gipfel über die digitale Zukunft der Nation zu sprechen. Alle irgendwie mit Wirtschaftsfragen befassten Mitglieder Bundesregierung waren hierher gekommen. Und selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sich für eine Stipp-Visite die Ehre.

Dabei hat sie dem Eindruck widersprochen, die bisherigen sieben IT-Gipfel hätten zu wenig bewirkt. Habe man etwa beim Breitbandnetzausbau zunächst nur das Geschwindigkeitsziel von einem Megabit pro Sekunde gehabt, wolle man bis 2018 jetzt 50 Megabit-Anschlüsse für jeden Haushalt zur Verfügung stellen.

Die IT-Gipfel hätten sich bewährt und die Arbeitsgruppen arbeiteten auf sieben Feldern sehr aktiv. “Ich glaube, dass diese Arbeit auch in den nächsten Jahren weitergeht. Das ist also kein Prozess, der endet”, so die Kanzlerin wörtlich. 2006 hatte sie die Serie an IT-Gipfeln am Hasso-Plattner-Institut begonnen und ist
seitdem “Fellow” des HPI.   

Foto: Presse Merkel

Merkel betonte den Wunsch, in Europa einen einheitlichen digitalen Raum zu schaffen, zum Beispiel auch bei der Frage der
Netzneutralität. Sie ermögliche es, “dass jeder Zugang zum Internet hat und trotzdem bestimmte Spezialdienste von jedermann auch so angeboten werden können, dass das Ganze sicher ist”, so die Kanzlerin. Außerordentlich wichtig sei ferner, dass in Europa an einer Datenschutzgrundverordnung gearbeit werde. Ziel sei ein
einheitliches Datenschutzrecht in ganz Europa.

Merkel forderte die Rahmenbedingungen für Start-up-Unternehmen in Deutschland zu verbessern, etwa bei der Versorgung mit Wagniskapital. Auf Arbeitsplatzverluste durch Digitalisierung und Automatisierung angesprochen, sagte die Kanzlerin: “Wenn man es geschickt macht, entstehen aus jedem neuen
Internetprodukt auch wieder neue Arbeitsplätze”. Würden die Chancen der Digitalisierung genutzt, habe Deutschland alle Chancen, “zum Schluss mehr Arbeitplätze zu haben und nicht weniger”.

Die Bundeskanzlerin sprach sich dafür aus, schon in der Schule darüber zu sprechen, was es bedeute, bestimmte Daten von sich preiszugeben, so dass jeder auch von zu Hause aus eine gewisse Vorsicht walten lasse. Ferner plädierte Merkel dafür, auch Älteren immer wieder Angebote für lebenslanges Lernen im digitalen Zeitalter zu machen, zum Beispiel über Volkshochschulen und andere Bildungsanbieter. Eine gewisse Hilfe untereinander, zwischen den Generationen, sei hier “sehr willkommen”.

Gastgeber Scholz: Hamburg gestaltet digitale Transformation
In einem Grußwort hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz darauf hingewiesen, dass die Digitalisierung “schon seit Jahren eines der zentralen Themen ist”. Die örtlichen Unternehmen und ihre Beschäftigten gestalten nach Scholz’ Worten die digitale Transformation. Modernste IT im Hafen ermögliche beispielsweise schon heute die reibungslose Bewältigung von täglich bis zu 5.000 Containerbewegungen an einem Terminal.

Als weiteres Beispiel nannte Scholz die Medien- und Kreativwirtschaft. “Rund 40 Unternehmen haben in der Regionalen Arbeitsgruppe “Content & Technology” die Veränderung der Wertschöpfungsprozesse von Inhalte-Anbietern sowie neue
Geschäftsmodelle diskutiert”, schrieb Scholz. Das maßgeblich von den vier Partnern Pilot AG, dpa Infocom GmbH, Hamburg Media School und CoreMedia AG) entwickelte Exponat dieser Arbeitsgruppe zeige beim Spitzentreffen, wie Medien- und Technologieunternehmen zukünftig gemeinsam ihre Erlösmöglichkeiten erweitern könnten.

Scholz bezeichnete als eine Aufgabe der Politik, für das Gelingen des digitalen Wandels die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen. Der diesjährige IT-Gipfel biete Gelegenheit, sehr grundsätzlich darüber zu reden, wie die Digitale Agenda der Bundesregierung und ganz generell die Digitalisierung unserer Lebens- und Arbeitswelt künftig gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch begleitet
werden könnesagte der Bürgermeister

Der erste nationale IT-Gipfel hat 2006 in Stuttgart stattgefunden. Seither wurde er siebenmall an verschiedenen Orten veranstaltet. In diesem Jahr ging es vor allem um die durch die digitale Agenda zu erwartenden Arbeitsplätze:
„Der IT-Gipfel ist die optimale Umsetzungsplattform für die ambitionierten Ziele der Digitalen Agenda der Bundesregierung“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf in Hamburg. Er forderte Unternehmen und Politik auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. „Wir müssen aufhören, ängstlich auf jene Unternehmen zu schauen, die derzeit an der Spitze der digitalen Revolution stehen“, sagte Kempf. „Wir dürfen unsere Energie nicht darauf verschwenden, überholte Geschäftsmodelle zu verteidigen und unausweichliche Veränderungen hinauszuzögern. Wir müssen selbst zu Treibern der Digitalisierung werden.“

Dringliches Ziel ist es nach Ansicht des BITKOM, den Breitbandausbau weiter zu beschleunigen, um Deutschland fit zu machen für die Gigabit-Gesellschaft. Die Industrie habe in den vergangenen Jahren mehr als 100 Milliarden Euro investiert und sei auch weiter bereit, ihren Beitrag zu leisten. Für Regionen, in denen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Erschließung nicht zu finanzieren sei, habe der Bund bereits ein Förderprogramm angekündigt, das nun auch umgesetzt werden müsse. Zusätzlich sollte noch in diesem Jahr der Weg frei gemacht werden, um die 700-Mhz-Frequenzen für den mobilen Datenverkehr zu vergeben. Kempf: „Zusätzliche Frequenzen sind der größte Hebel für den schnellen, flächendeckenden Ausbau mit Superbreitband.“

Darüber hinaus müssen aus BITKOM-Sicht Start-ups in Deutschland stärker gefördert werden, vor allem in der Wachstumsphase. Bislang hätten es deutsche Start-ups besonders schwer, eine internationale Expansion zu finanzieren. Daneben müsse die Vernetzung von Start-ups, Mittelständlern und großen Unternehmen in den Fokus rücken. „Der Young IT Day am Vortag des eigentlichen IT-Gipfels hat sich genau das zum Ziel gesetzt und neue Impulse für diese wichtige Kooperation geliefert“, so Kempf.

Beim Thema Datenschutz und Datensicherheit plädiert der BITKOM für den Einsatz neuer Technologien, um den Datenschutz auf ein extrem hohes Niveau zu bringen. Gleichzeitig sollten die Daten aber zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen eingesetzt werden können. „Es muss uns gelingen, vom bislang handlungsleitenden Prinzip der Datensparsamkeit zu einem Prinzip des Datenreichtums zu kommen. Einem Datenreichtum, der mit einem Datenschutz verknüpft ist, der deutlich schärfer ist, als wir ihn heute kennen, der aber zugleich nicht über das Ziel hinausschießt und neue Geschäftsmodelle nicht von vornherein als Bedrohung sieht und verhindert“, so Kempf.

Derzeit gewinnt die digitale Wirtschaft in Deutschland rasant an Bedeutung. In diesem Jahr werden einer aktuellen BITKOM-Prognose zufolge in den Unternehmen der Informationstechnologie und Telekommunikation 953.000 Menschen beschäftigt sein, so viele wie nie zuvor. Einer Prognos-Studie zufolge, die im Auftrag des BITKOM anlässlich des IT-Gipfels erstellt wurde, waren bereits im Jahr 2012 knapp 1,5 Millionen Arbeitsplätze in der gesamten deutschen Volkswirtschaft auf die Digitalisierung zurückzuführen. „Dieser Trend wird sich beschleunigen, nicht zuletzt durch die Digitalisierung und Vernetzung der klassischen Produktion hin zur Industrie 4.0“, so Kempf. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, die im Rahmen des IT-Gipfels entstanden ist, sind allein in sechs volkswirtschaftlich wichtigen Branchen wie Automobilindustrie, Chemie oder Maschinenbau bis zum Jahr 2025 Produktivitätssteigerungen in Höhe von insgesamt rund 78 Milliarden Euro möglich.

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