Emil Nolde lockt Kunstfreunde nach Hamburg

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Die neue Nolde-Ausstellung in der im Umbau befindlichen Hamburger Kunsthalle verspricht zu einem Renner zu werden. Die Kunsthalle erwartet einen derartigen Andrang, dass sie elektronische Buchungen ermöglicht hat. Der an Schleswig-Holsteins Westküste lebende – aus Nordschleswig stammende -Emil Nolde reiste regelmäßig nach Hamburg. Er war fasziniert vom Hafen mit seinem lebendigen Treiben, von Wind und Wetter.

Foto: © Nolde Stiftung Seebüll, Photo: Dirk Bunkelber, Berlin

Für Nolde war die Hansestadt ein Sinnbild für die Urkräfte von Leben und Natur. Schon im Jahr 1910 wohnte Nolde einige Wochen im Hotel „Unter den Vorsetzen“ auf St. Pauli. Während des Aufenthalts verarbeitete er seine Impressionen vom Hafen mit den Segelschiffen, Dampfern und Arbeitern unmittelbar in Kunst. In kurzer Zeit schuf Nolde über hundert Werke, die meisten davon befinden sich heute in der Nolde Stiftung Seebüll.

Diese Arbeiten werden nun am Ort ihrer Entstehung gezeigt. Ergänzt wird die Hamburger Ausstellung mit Werken aus dem Bestand der Kunsthalle und Leihgaben verschiedener Sammlungen. Es sind farbintensive Gemälde und Aquarelle, dynamische Tuschzeichnungen sowie atmosphärische Radierungen und Holzschnitte.

Hamburg meinte es gut mit dem Künstler
Die Hansestadt inspirierte Nolde nicht nur zu zahlreichen Werken, in Hamburg wurde seine Bedeutung auch frühzeitig erkannt. Bereits seit 1907 hatten in Hamburg mehrere Nolde-Ausstellungen stattgefunden und Nolde lernte seine ersten Förderer kennen: Weil Museen und Privatleute seine Kunst sammelten, entstanden bald enge Verbindungen zwischen Nolde und seiner Frau Ada mit Hamburger Persönlichkeiten wie Gustav und Luise Schiefler, Paul und Martha Rauert, Rosa Schapire, Alfred Lichtwark und Gustav Pauli. Die Ausstellung in der Kunsthalle widmet sich deshalb auch den Bezügen zwischen Noldes Kunst und der Hamburger Gesellschaft, die teilweise bis heute nachwirken.

Rahmenprogramm
Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Gesprächen rundet die Ausstellung ab. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Buch mit wissenschaftlichen Texten und einem Geleitwort von Helmut Schmidt, unter dessen Schirmherrschaft die Ausstellung steht.

Emil Nolde – ein großer Expressionist
Emil Nolde – eigentlich Hans Emil Hansen –  war einer der führenden Maler des Expressionismus. Er zählt zudem zu den großen Aquarellisten in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Kennzeichnend für seine Malerei ist die ausdrucksstarke Farbwahl. Seit 1902 nannte sich Nolde nach seinem nordschleswigschen Heimatdorf.
Obwohl Nolde den Nationalsozialisten nahestand – er war der Überzeugung, dass die „germanische Kunst“ allen anderen überlegen ist – wurden seine Werke von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ eingestuft.

Emil Nolde (1867-1956), Kleiner Dampfer, Hamburg, 1910, aquarelliert, 33,1 x 27,2 cm, Nolde Stiftung Seebüll. 
(Bild: © Nolde Stiftung Seebüll, Photo: Dirk Bunkelber, Berlin.)